Mathias Buechele – der Büchele-Wirt
Erste heute bekannte schriftliche Erwähnung eines Gastwirts an diesem Ort im Mertinger Pfarrbuch.
Geschichte der Alten Brauerei
Die Alte Brauerei trägt ihren Namen zu Recht. Schon 1665 wird in Mertingen ein Gastwirt an diesem Ort erwähnt. Seitdem haben Wirtsfamilien, Brauer, Gäste und das Dorf selbst immer wieder neue Kapitel geschrieben.
Vom Büchele-Wirt bis heute
Die Geschichte dieses Hauses ist keine gerade Linie. Sie erzählt von Familien und Neuanfängen, von Feuer und Wiederaufbau, von Brautradition und technischem Wandel – und davon, wie eng ein Wirtshaus mit seinem Ort verbunden sein kann.
Die historische Grundlage dieser Seite stammt aus der Chronik „Zur Geschichte der Alten Brauerei Mertingen“ von Dr. Franz-Xaver Ries aus dem Archiv der Gemeinde Mertingen. Für die Website haben wir daraus die wichtigsten Stationen verdichtet.
1665 & 1673
Im ersten Mertinger Pfarrbuch wird 1665 die Hochzeit von Mathias Buechele vermerkt. Er wird als „Bürger, Gastwirt und oberer Wirt“ bezeichnet. Von ihm stammt der Hausname „Büchele-Wirt“, der sich über Jahrhunderte erhalten hat.
Seit 1673 gehörte zur Wirtschaft eine „reale Bräu- und Taferngerechtigkeit“. Damit war das Recht, Bier zu brauen und in der eigenen Gastwirtschaft auszuschenken, fest an das Haus gebunden.
Später ist vom „Weißen Roß“ die Rede. Das Wirtshausschild war mehr als Dekoration: An der wichtigen Handelsstraße Augsburg–Nürnberg stand das Ross für eine Poststation mit Einkehr, Übernachtung und Pferdewechsel.
Die wichtigsten Stationen
Mehr als drei Jahrhunderte lassen sich nicht in wenigen Zeilen erzählen. Diese Stationen zeigen, wie sich Haus, Brauerei und Wirtshaus immer wieder verändert haben.
Erste heute bekannte schriftliche Erwähnung eines Gastwirts an diesem Ort im Mertinger Pfarrbuch.
Das Recht zu brauen und Bier im eigenen Wirtshaus auszuschenken ist fortan an das Anwesen gebunden.
Die Gaststätte dient an der Handelsstraße Augsburg–Nürnberg auch als Poststation mit Pferdewechsel, Einkehr und Übernachtung.
Am 25. August werden 16 Häuser und Städel zerstört. Auch Haus und Stadel des Weißrösslewirts fallen dem Feuer zum Opfer.
Andreas Schimpfle, ein Wirtssohn aus Ottmarshausen, erwirbt das Anwesen. In den folgenden Jahrzehnten wird kräftig gebaut und erweitert.
Bräuhaus, Backofen, Torfremise, Schweineställe und Maschinenhaus entstehen oder werden erneuert. Der Betrieb wächst zu einem umfangreichen Anwesen.
Philomena übernimmt den Besitz mit ihrem Bräutigam Balthasar Reiter. Der neue Brauereibesitzer treibt die Modernisierung entschlossen voran.
Bereits im ersten vollen Jahr unter Reiter werden 820 Hektoliter Bier gebraut. Eiskeller, Remise, Kegelbahn und Stall werden weiterentwickelt.
Nach dem frühen Tod Balthasar Reiters heiratet Philomena 1904 Ludwig Miller. Keller, Wohngebäude, Bräuhaus, Stadel und weitere Betriebsgebäude werden neu errichtet.
Mit 12.320 Hektolitern erreicht der Bierausstoß seinen in der Chronik genannten Höchststand.
Diplom-Braumeister Karl Liebl übernimmt die Brauerei. Neben verschiedenen Biersorten werden auch Limonaden hergestellt.
1984 verlässt Karl Liebl Mertingen. 1989 brennt es in der Gaststätte. 1996 erwirbt die Gemeinde Mertingen das gesamte Areal; die Brauereianlage wird demontiert.
Die Gemeinde entscheidet sich für die umfassende Sanierung und den Neubau des Brauereisaals. Nach Bürgerentscheid und Bauphase öffnet das Haus im März 2014 wieder.
Bilder aus der Chronik
Historische Aufnahmen zeigen, wie sehr sich die Alte Brauerei über Generationen verändert hat – und wie viel vom Charakter des Ortes dennoch geblieben ist.




Brauen in Mertingen
Über Jahrhunderte wurde hier tatsächlich Bier gebraut. In der Nachkriegszeit belieferte die Brauerei zahlreiche Wirtshäuser und Flaschenbierhandlungen in Mertingen und der Umgebung. Doch veraltete Technik, hohe Anforderungen an eine wachsende Sortenvielfalt und das Wirtshaussterben auf dem Land machten den Betrieb zunehmend schwieriger.
Die Chronik nennt für das Spitzenjahr 1958/59 einen Ausstoß von 12.320 Hektolitern; 1979 waren es noch 5.324 Hektoliter. Nach dem Ende der Brauerei blieb der Name – und damit die Erinnerung an die frühere Bestimmung des Hauses.


2011 bis 2014
2011 stellte die Gemeinde Mertingen die Weichen für die Zukunft des traditionsreichen Hauses. Das Gebäude von 1906 sollte entkernt und vollständig neu ausgebaut werden; dazu kam der neue Brauereisaal. Nach einer intensiven öffentlichen Diskussion stimmte eine deutliche Mehrheit beim Bürgerentscheid vom 10. Juli 2011 für die Sanierung.




Seit 1. März 2014
Im März 2014 war das Werk vollendet. Seit dem 1. März 2014 wird die Alte Brauerei wieder gastronomisch mit Leben gefüllt.
Heute treffen hier erneut Menschen zusammen: zum Essen, Feiern, Tagen, Übernachten, bei Veranstaltungen, Vereinsabenden und kommunalen Terminen. Damit schließt sich ein Kreis – nicht als Museum, sondern als lebendiger Ort mitten in Mertingen.
Heimat für Tradition. Raum für Neues.
Die Alte Brauerei heuteHistorische Grundlage
Texte, Daten und historische Abbildungen dieser Seite basieren auf der Ausarbeitung „Zur Geschichte der Alten Brauerei Mertingen“ von Dr. Franz-Xaver Ries (Archiv Gemeinde Mertingen). Die Darstellung wurde für die Website gekürzt und redaktionell gegliedert.