Geschichte der Alten Brauerei

Mehr als 350 Jahre Wirtshausgeschichte.

Die Alte Brauerei trägt ihren Namen zu Recht. Schon 1665 wird in Mertingen ein Gastwirt an diesem Ort erwähnt. Seitdem haben Wirtsfamilien, Brauer, Gäste und das Dorf selbst immer wieder neue Kapitel geschrieben.

Vom Büchele-Wirt bis heute

Ein Haus, das Mertinger Geschichte miterlebt hat.

Die Geschichte dieses Hauses ist keine gerade Linie. Sie erzählt von Familien und Neuanfängen, von Feuer und Wiederaufbau, von Brautradition und technischem Wandel – und davon, wie eng ein Wirtshaus mit seinem Ort verbunden sein kann.

Die historische Grundlage dieser Seite stammt aus der Chronik „Zur Geschichte der Alten Brauerei Mertingen“ von Dr. Franz-Xaver Ries aus dem Archiv der Gemeinde Mertingen. Für die Website haben wir daraus die wichtigsten Stationen verdichtet.

Historische Kolleffel-Karte von Mertingen um 1750
Kolleffel-Karte von Mertingen um 1750

1665 & 1673

Der Büchele-Wirt und das Recht zu brauen.

Im ersten Mertinger Pfarrbuch wird 1665 die Hochzeit von Mathias Buechele vermerkt. Er wird als „Bürger, Gastwirt und oberer Wirt“ bezeichnet. Von ihm stammt der Hausname „Büchele-Wirt“, der sich über Jahrhunderte erhalten hat.

Seit 1673 gehörte zur Wirtschaft eine „reale Bräu- und Taferngerechtigkeit“. Damit war das Recht, Bier zu brauen und in der eigenen Gastwirtschaft auszuschenken, fest an das Haus gebunden.

Später ist vom „Weißen Roß“ die Rede. Das Wirtshausschild war mehr als Dekoration: An der wichtigen Handelsstraße Augsburg–Nürnberg stand das Ross für eine Poststation mit Einkehr, Übernachtung und Pferdewechsel.

Die wichtigsten Stationen

Von 1665 bis zum Neubeginn.

Mehr als drei Jahrhunderte lassen sich nicht in wenigen Zeilen erzählen. Diese Stationen zeigen, wie sich Haus, Brauerei und Wirtshaus immer wieder verändert haben.

1665

Mathias Buechele – der Büchele-Wirt

Erste heute bekannte schriftliche Erwähnung eines Gastwirts an diesem Ort im Mertinger Pfarrbuch.

1673

Bräu- und Taferngerechtigkeit

Das Recht zu brauen und Bier im eigenen Wirtshaus auszuschenken ist fortan an das Anwesen gebunden.

18. Jh.

„Zum Weißen Roß“

Die Gaststätte dient an der Handelsstraße Augsburg–Nürnberg auch als Poststation mit Pferdewechsel, Einkehr und Übernachtung.

1802

Großer Brand in Mertingen

Am 25. August werden 16 Häuser und Städel zerstört. Auch Haus und Stadel des Weißrösslewirts fallen dem Feuer zum Opfer.

1848

Die Zeit der Schimpfles beginnt

Andreas Schimpfle, ein Wirtssohn aus Ottmarshausen, erwirbt das Anwesen. In den folgenden Jahrzehnten wird kräftig gebaut und erweitert.

1875–1889

Ausbau der Brauerei

Bräuhaus, Backofen, Torfremise, Schweineställe und Maschinenhaus entstehen oder werden erneuert. Der Betrieb wächst zu einem umfangreichen Anwesen.

1894

Philomena Schimpfle & Balthasar Reiter

Philomena übernimmt den Besitz mit ihrem Bräutigam Balthasar Reiter. Der neue Brauereibesitzer treibt die Modernisierung entschlossen voran.

1895

820 Hektoliter Bier

Bereits im ersten vollen Jahr unter Reiter werden 820 Hektoliter Bier gebraut. Eiskeller, Remise, Kegelbahn und Stall werden weiterentwickelt.

1904–1911

Die Brauerei Miller

Nach dem frühen Tod Balthasar Reiters heiratet Philomena 1904 Ludwig Miller. Keller, Wohngebäude, Bräuhaus, Stadel und weitere Betriebsgebäude werden neu errichtet.

1958/59

Spitzenjahr der Brauerei

Mit 12.320 Hektolitern erreicht der Bierausstoß seinen in der Chronik genannten Höchststand.

1978

„Mertingerbräu Karl Liebl“

Diplom-Braumeister Karl Liebl übernimmt die Brauerei. Neben verschiedenen Biersorten werden auch Limonaden hergestellt.

1984–1996

Das Ende des Braubetriebs

1984 verlässt Karl Liebl Mertingen. 1989 brennt es in der Gaststätte. 1996 erwirbt die Gemeinde Mertingen das gesamte Areal; die Brauereianlage wird demontiert.

2011–2014

Ein neues Kapitel

Die Gemeinde entscheidet sich für die umfassende Sanierung und den Neubau des Brauereisaals. Nach Bürgerentscheid und Bauphase öffnet das Haus im März 2014 wieder.

Brauen in Mertingen

Vom eigenen Bier zur Alten Brauerei.

Über Jahrhunderte wurde hier tatsächlich Bier gebraut. In der Nachkriegszeit belieferte die Brauerei zahlreiche Wirtshäuser und Flaschenbierhandlungen in Mertingen und der Umgebung. Doch veraltete Technik, hohe Anforderungen an eine wachsende Sortenvielfalt und das Wirtshaussterben auf dem Land machten den Betrieb zunehmend schwieriger.

Die Chronik nennt für das Spitzenjahr 1958/59 einen Ausstoß von 12.320 Hektolitern; 1979 waren es noch 5.324 Hektoliter. Nach dem Ende der Brauerei blieb der Name – und damit die Erinnerung an die frühere Bestimmung des Hauses.

Brauanlage der Mertinger Brauerei im Jahr 1978
Brauanlage 1978
Braubottiche der Mertinger Brauerei im Jahr 1978
Braubottiche 1978

2011 bis 2014

Aus der alten Brauerei wird die Alte Brauerei.

2011 stellte die Gemeinde Mertingen die Weichen für die Zukunft des traditionsreichen Hauses. Das Gebäude von 1906 sollte entkernt und vollständig neu ausgebaut werden; dazu kam der neue Brauereisaal. Nach einer intensiven öffentlichen Diskussion stimmte eine deutliche Mehrheit beim Bürgerentscheid vom 10. Juli 2011 für die Sanierung.

Alte Brauerei kurz vor Baubeginn im März 2012
März 2012Kurz vor Baubeginn.
Baustelle der Alten Brauerei im August 2012
August 2012Die Bauarbeiten laufen.
Alte Brauerei im Dezember 2013 kurz vor Fertigstellung
Dezember 2013Das neue Ensemble nimmt Gestalt an.
Bürgermeister Albert Lohner vor der Alten Brauerei nach der Sanierung

Seit 1. März 2014

Das Haus lebt wieder.

Im März 2014 war das Werk vollendet. Seit dem 1. März 2014 wird die Alte Brauerei wieder gastronomisch mit Leben gefüllt.

Heute treffen hier erneut Menschen zusammen: zum Essen, Feiern, Tagen, Übernachten, bei Veranstaltungen, Vereinsabenden und kommunalen Terminen. Damit schließt sich ein Kreis – nicht als Museum, sondern als lebendiger Ort mitten in Mertingen.

Heimat für Tradition. Raum für Neues.

Die Alte Brauerei heute

Historische Grundlage

Mit Dank an das Archiv der Gemeinde Mertingen.

Texte, Daten und historische Abbildungen dieser Seite basieren auf der Ausarbeitung „Zur Geschichte der Alten Brauerei Mertingen“ von Dr. Franz-Xaver Ries (Archiv Gemeinde Mertingen). Die Darstellung wurde für die Website gekürzt und redaktionell gegliedert.

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